Humanismus fur die Welt (Deutsch)

HUMANISMUS FUR DIE WELT

Die Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU)

Moderner Humanismus ist eine Lebensauffassung, die im rationalen Denken begründet ist Er vermittelt ein naturwissenschaftliches Verständnis unseres Universums, bemüht keine übernatürliche Erklärungen. Er bietet Frauen und Männern sowohl auf der individuellen als auch auf der gesellschaftlichen Ebene eine weltliche Ethik an, die auf humanistische Werte gründet.

Humanisten beziehen Anregungen aus ihrem rationalistischen und freidenkerischen Erbe. Sie lehnen absolute Autoritäten und offenbarte Wahrheiten ab. Als einzige Quelle des Wissens und der Ethik ist für sie die menschliche Erfahrung gültig. Humanisten vertrauen auf die intellektuelle Integrität des Menschen und sind dagegen, dass überkommene Traditionen das Gewissen ersetzen. Humanisten fördern die Freiheit der Forschung als Basis eines wissenschaftlichen Denkens und einer lebendigen Philosophie. Der Humanismus wird durch neue Erkenntnisse kontinuierlich bereichert.

Vom Prinzip der menschlichen Solidarität geleitet, berufen sich Humanisten auf einen toleranten Pluralismus und auf die Menschenrechte. Da der Humanismus auch eine Philosophie der menschlichen Freiheit ist, setzen sich Humanisten für eine soziale Ordnung ein, die individuelle Freiheit, Würde, soziale Gerechtigkeit, Grund- und Bürgerrechte schützt. Humanisten suchen ständig in unserer immer unübersichtlicher werdenden Welt nach Wegen zur Entfaltung verantwortungsvoller persönlicher Freiheit und Glück.

Das soziale Ideal des Humanismus ist die Verbreitung von demokratischen Werten mit dem Ziel einer umfassenden sozialen, politischen und wirtschaftlichen Demokratie. Humanisten vertrauen auf die Kraft der dem Menschen innewohnenden Moral und auf ihre intellektuellen Fähigkeiten.

Humanisten versuchen, eine moderne, kosmopolitische und demokratische Alternative zur traditionellen Religion und ebenso zu autoritärem und totalitärem Verhalten zu sein.


Die humanistische Welt

Die humanistische Tradition hat ihre geistigen Wurzeln im traditionellen China, Indien und Europa. Humanistische Organisationen (Humanisten, ethische Kulturorganisationen, Rationalisten, Freidenker oder Atheisten) sind dagegen relativ jung. Humanistische Gruppen sind Kulturorganisationen, die auf einer pädagogischen und auf einer parteipolitisch unabhängigen Basis arbeiten, um humanistische Gedanken in die Praxis umzusetzen. In einer modernen Gesellschaft bieten diese Organisationen eine Gemeinschaft für diejenigen, die Sinn und Wert in ihrem Leben ohne die Hilfe der traditionellen Religionen oder Götter bestimmen.

Heute gibt es ungefähr 100 humanistische Verbände in über 30 Ländern, von Nepal bis Peru, von der Slowakischen Republik bis Indonesien, von Ghana bis Neuseeland. Alle diese Organisationen engagieren sich vorrangig dafür, die humanistisch orientierte, wissenschaftliche Lebensauffassung lebendig zu halten. Humanistische Gruppen bieten Kritik an dogmatischen und religiösen Behauptungen, fördern das kritische Denken, entwickeln ethische Werte, die den menschlichen Existenzbedingungen gerecht werden, bestärken die Ideale der Toleranz und respektieren die Unterschiedlichkeit der Meinungen und fördern die Klärung von Differenzen durch Vernunft.

Um ihre Ziele zu erreichen, publizieren humanistische Organisationen Bücher und veröffentlichen Artikel in Zeitschriften, organisieren Seminare, Workshops, Konferenzen, produzieren Sendungen für Rundfunk und Fernsehen. Sie nehmen an öffentlichen Debatten teil und unterhalten Internet-Seiten. Sie versuchen, ihren Einfluss bei den Medien und Regierungen geltend zu machen und nehmen beratend Stellung zu politischen Fragen.

Die praktischen Aktivitäten von organisierten Humanisten in ihren Gemeinden sind äusserst vielfältig; zu nennen wären hier vorrangig Aktivitäten zur Verteidigung der demokratischen Bürgerrechte; ferner werden Einrichtungen für ältere Menschen unterhalten und Häuser, die Opfern von religiöser Intoleranz und sexueller Bedrohung Schutz bieten.

Die humanistischen Organisationen - beispielsweise in Belgien und den Niederlanden - fördern auf der sozialen und persönlichen Ebene die moralische Entwicklung von Menschen durch Erziehung, Beratung und Gemeinschaftspflege und auch dadurch, dass hunderte von professionell ausgebildeten humanistischen Ethiklehrern und Beratern in Schulen, Krankenhäusern, Gefängnissen und den Streitkräften tätig sind.

Die humanistischen Gruppen in Asien kämpfen einerseits für Demokratie und die Emanzipation der Frauen, andererseits für die Überwindung des Aberglaubens. Humanisten in Kanada und Europa setzten sich für die Freigabe von Verhütungsmitteln und das Recht auf Abtreibung ein. In Norwegen und Grossbritannien bieten Humanisten weltliche Zeremonien wie Namensfeiern, Jugendfeiern, Hochzeitsfeiern und Beerdigungen an. Wieder andere humanistische Gruppen kämpfen für die Trennung von Kirche und Staat und setzen sich für die Förderung der wissenschaftlichen Denkweise ein. In Indien engagieren sie sich gegen die religiöse Prostitution oder organisieren Kampagnen gegen die Beschneidung von jungen Mädchen (...)


Die IHEU - eine internationale Organisation für den Humanismus

Eine starke humanistische Organisation ist sehr wichtig, um den weltweiten Einfluss des Humanismus auszubauen und so sicherzustellen, dass die Gemeinschaft von Humanisten von den Leistungen ihrer Mitglieder profitieren kann. Die Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU) ist diese internationale Organisation für Humanisten.

Die IHEU wurde 1952 in Amsterdam als weltweite Dachorganisation für humanistische, rationalistische, atheistische, säkulare, ethische und agnostische Gruppen gegründet. Ihre Mitgliedsorganisationen reichen von grossen Mitgliederverbänden bis hin zu spezialisierten Gruppen wie Verlagen, Universitäten und Dritte-Welt-Projekten.

Als eine Föderation von nationalen und regionalen humanistischen Gruppen koordiniert die IHEU die Aktivitäten ihrer Mitgliedsorganisationen, stimuliert politische Aktivitäten und hilft dabei sinnvolle Strategien zu entwickeln. Ferner unterstützt sie die Neugründung von humanistischen Gruppen und vertritt die Interessen von Humanisten in der UNO (New York, Genf, Wien), der UNICEF (New York), UNESCO (Paris) und im Europarat. Die IHEU versteht sich als Schaltstelle für den Austausch von Information und Anregungen. Sie bietet den humanistischen Organisationen und Individuen ein Forum, um Gedanken und Erfahrungen auszutauschen, die den Einfluss von Humanisten auf nationaler und internationaler Ebene verbessern können. Durch die Präsentation des Humanismus in den Medien gewährleistet die IHEU, dass die humanistische Alternative weltweit immer mehr Menschen bekannt wird.

Die IHEU ist demokratisch aufgebaut und wird von den Beiträgen ihrer Mitgliedsorganisationen und den Spenden einzelner Förderer finanziert. Es gibt in der IHEU den Status der Voll-, Sonder- und assoziierten Mitgliedschaft für spezialisierte Organisationen. Einzelpersonen können als assoziierte Mitglieder aufgenommen werden, indem sie Fördermitglied werden.

Abgesehen von der Zentrale in London unterhält die IHEU regionale Sekretariate in Lateinamerika (Costa Rica) und Asien (Indien), darüber hinaus spezielle Sekretariate und Netzwerke wie beispielsweise das Sekretariat für hauptamtlich arbeitende Humanisten, für Sozialarbeiter und für Medien (Niederlanden); das Sekretariat für Entwicklungsaufgaben (USA) und das Netzwerk 'Bioethik' (Belgien).

 

IHEU - Internationalismus und Menschenrechte

Für die IHEU ist die nationale Identität weniger bedeutsam als der Aufbau einer internationalen Weltgemeinschaft. Die IHEU fühlt sich den Idealen der UNO besonders verpflichtet; und in der Tat waren der erste Direktor der UNESCO (Julian Huxley), der FAO (J. Boyd Orr) und der WHO (G.B. Chisholm) prominente Humanisten. Die IHEU befürwortet, dass die antidiskriminierenden internationalen Abkommen über Abrüstung, Menschenrechte und Umweltschutz von allen Staaten ratifiziert werden sollen.

Viele der humanistischen Grundsätze finden sich wieder in den internationalen Konventionen über Menschenrechte, und sicherlich hat humanistisches Denken die philosophische Grundlagen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen mit geprägt. Auch unterbreitete die IHEU immer wieder Vorschläge bei entsprechenden UNO-Organen zu Fragen des Umweltschutzes und zu ökonomischen, sozialen und kulturellen Rechten. Die Wortmeldungen der IHEU zu den UNO-Konventionen über Kinderrechte, über Folter und zur Genfer Flüchtlingskonvention fanden die Unterstützung der einzelnen Mitgliedsorganisationen und spiegeln sich in der nationalen Arbeit der Verbände wieder.

In der Vergangenheit beteiligte sich die IHEU an der Kampagne der FAO gegen den Hunger auf der Welt und war auch Gründungsmitglied einer UNESCO-Arbeitsgruppe über Wissenschaft und Ethik. Die IHEU war ferner auf den meisten thematischen UNO-Konferenzen vertreten, beispielsweise auf der Konferenz zur Weltbevölkerung 1965 in Belgrad und 1974 in Bukarest, der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 und der Weltkulturkonferenz in Stockholm 1998.

In der modernen Welt konzentrieren sich gesellschaftliche Bewegungen immer mehr zielgerichtet auf ein konkretes Projekt. In diesem Sinne zielt die Arbeit der IHEU vorrangig auf die Verteidigung von individueller Selbstbestimmung und auf Freiheit des Glaubens. So haben IHEU-Repräsentanten bei den Vereinigten Nationen und beim Europarat an der Ausarbeitung der 'Erklärung über die Beseitigung aller Formen von Intoleranz und Diskriminierung aufgrund von Religion und Glaube' wesentlich mitgearbeitet. Aufgrund einer IHEU-Initiative wurde durch die UNO das 'Recht der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen' verabschiedet. Ausserdem brachte die IHEU gemeinsam mit entsprechenden UNO-Organen die Frage von Rechten religiös und philosophisch Andersdenkender wie Taslima Nasrin aus Bangladesch und Xiao Xuehui aus China zur Sprache.

Ausserhalb der UNO verteidigen die IHEU und ihre angeschlossenen Mitgliedsorganisationen die Einhaltung der bürgerlichen Freiheiten. Sie fördern eine humanere und rationalere Haltung bei Gesetzen zu Abtreibung, in sexuellen Beziehungen und zum Recht auf freiwillige Sterbehilfe. Sie treten für die Abschaffung der Todesstrafe ein, für die Humanisierung der Strafgesetzgebung und gegen die Ausbeutung von Tieren. Von Bedeutung für die IHEU waren die Kampagnen gegen Blasphemiegesetze, zum Schutz von Minderheiten und ethnischen Gruppen, sowie zur Überwindung der Diskriminierung auf Grund religiöser Überzeugungen bzw. mangels einer Religionszugehörigkeit. Die IHEU hat auch eine Kampagne gegen die Bezugnahme auf Gott im Grundgesetz Deutschlands durchgeführt, mit dem Ziel der Trennung von Staat und Kirche. Da auch Humanisten eine Minderheit darstellen, benötigen sie den gleichen Status wie er Religionsgemeinschaften zuerkannt wird, das heisst, die Gleichbehandlung muss gewährleistet sein.

Menschen, die der IHEU angeschlossen sind, arbeiten zu aktuellen Fragen als Sachverständige im Rahmen staatlicher und lokaler Gesetzgebung (zum Beispiel Leihmutterschaft, Klonen von Tieren, AIDS), beraten bei Gesetzentwürfen, üben Ämter in föderalen und staatlichen Kommissionen aus und nehmen an öffentlichen Diskussionen teil.


Ethische Leitvorstellungen - die Erklärungen und Entschliessungen der IHEU

Die „Deklaration der gegenseitigen Abhängigkeit: Eine Neue Globale Ethik" (Declaration of Interdependence) wurde während des IHEU-Weltkongresses 1988 in Buffalo, New Yorck verabschiedet. Sie betont einen globalen ethischen Konsens, die Menschenrechte und die globale menschliche Verantwortung.

Die wegbereitenden Stellungnahmen der IHEU zur Verteidigung schwuler und lesbischer Lebensweisen und ihr Eintreten für Homosexualität und Bisexualität hat breite Beachtung gefunden. IHEU-Stellungnahmen sind Standarderklärungen zu zeitgemässen Fragen: Resolutionen der IHEU gegen die französischen Atomtestserien, gegen Blasphemiegesetze, gegen sogenannte "ethnische Säuberungen" beispielsweise im früheren Jugoslawien. Verurteilt wurde auch der Missbrauch von Kindern im Namen der Religion.


IHEU- Netzwerk und Entwicklungsprogramm

Die IHEU begleitet die Entwicklung von neuen humanistischen Gruppen mit Rat und Tat. In Zusammenarbeit mit ihrer niederländischen Mitgliedsorganisation HIVOS (Humanistisches Institut für Entwicklungszusammenarbeit) finanziert sie im Rahmen von Entwicklungs- und Netzwerkprogrammen die Aktivitäten von Mitgliedsorganisationen in der Dritten Welt.

In den letzten Jahren wurden folgende Projekte unterstützt:

  • Gemeinwesenorientierte Entwicklungsprojekte in Bangladesh
  • Entwicklung des ibero-amerikanischen und des südasiatischen Humanismus-Netzwerks
  • Humanistische Gruppen in Afrika
  • Internationale Vereinigung Ibn Rushd und die Aufklärung: Projekt zur Aufklärung in der islamischen Welt
  • Alphabetisierungs- und Bürgerrechtsprogramme für Jugendliche in den Slums von Bombay
  • Unterstützung einer wissenschaftlichen Weltsicht in der Dritten Welt
  • Herausgabe eines Humanismus-Buches (China) und humanistischer Magazine (Spanien, Mexiko).



Kongresse und Preise

Der erste IHEU Kongress war 1952 in Amsterdam. IHEU-Kongresse bieten führenden Intellektuellen und sozial Engagierten die Gelegenheit, von humanistischen Positionen aus zu zentralen Fragen Stellung zu nehmen. Der 14. IHEU-Kongress in Mumbai, Indien, 1999 hat das Thema "Humanismus für menschliche Entwicklung und Glück". Weitere Informationen uber der 15 IHEU-kongress in 2002 sind beim IHEU-Büro erhältlich.

Während der IHEU-Kongresse werden herausragende Beiträge für die Entwicklung und die Verteidigung des Humanismus durch die Verleihung des "International Humanist Award" gewürdigt. Frühere Preisträger waren:

  • Justice Tarkunde für seinen Einsatz zur Verteidigung der Demokratie
  • "Atheist Centrum" für seine Sozialarbeit in Indien
  • Alexander Dubcek für die Verteidigung der Gewissensfreiheit in der Tschechoslowakei
  • Dr. Pieter Admiraal für seinen Beitrag zur Selbstbestimmung in Fragen der Sterbehilfe in den Niederlanden
  • Dr. Andrei Sakharov für seinen Einsatz für die Gewissensfreiheit in der Sowjetunion
  • Taslima Nasrin für ihr Engagement für die Menschenrechte und die Rechte von Frauen.


International Humanist News

Die „International Humanist News" ist das vierteljährlich erscheinende Magazin der IHEU und enthält Meldungen und spezielle Reportagen aus der humanistischen Welt. Es wird in London publiziert. Mitgliedsorganisationen der IHEU können die dort erschienenen Artikel nachdrucken. Einzelmitglieder erhalten die Zeitschrift kostenlos.


Unterstützen sie den internationalen Humanismus!

Wenn Sie der IHEU, entweder als Mitgliedsorganisation oder als Fördermitglied beitreten wollen, drücken sie damit Solidarität und ihre Nähe zu den Zielen des internationalen Humanismus aus. Sie erhalten regelmässige Informationen über humanistische Organisationen und Einzelpersonen. Sie erhalten Gelegenheit, sich an der Entwicklung des Humanismus zu beteiligen. Als individuelles Fördermitglied können sie der IHEU durch jährliche Zahlungen helfen oder sich auf eine lebenslange Zahlung verpflichten. Eine andere Möglichkeit besteht darin, in den IHEU-Stiftungsfond einzuzahlen und damit langfristig die Existenz der Organisation sichern.

Wir alle müssen international zusammenarbeiten, wenn humanistische Überzeugungen die Welt verändern sollen. Wenn Sie unsere Ziele unterstützen, helfen sie uns bitte, dieses Ziel zu erreichen. Jede Mitgliedersteigerung erhöht die Kraft der humanistischen Idee.

Wenn Sie an näheren Einzelheiten zur humanistischen Organisation in ihrem Heimatland interessiert sind, abonnieren sie ein humanistisches Magazin in ihrer Sprache (es gibt ca. 200!), informieren sie sich im Internet oder besuchen sie einen IHEU-Kongress. Sie können sich unter unseren Adressen in Englisch, Französisch, Deutsch, Hindi, Marathi oder Telugu informieren.

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IHEU Website Administrator

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